Juni 2005: Karina W. an die Paten des Waisenkinderprogramms in Sambia

Liebe Patinnen und Paten!

Zuerst möchte ich mich vorstellen. Ich bin Karina Westphalen. Ab August 2003 habe ich mich 6 Monate lang auf meinen Einsatz in Sambia vorbereitet - am IICD in Michigan, USA, anschließend war ich 6 Monate Auslandsfreiwillige bei DAPP Zambia im Kinderhilfeprojekt in den Distrikten Monze und Gwembe (Südliche Provinz; Abkürzungen siehe unten).

In diesem Projekt habe ich hauptsächlich als Trainer gearbeitet - in den Bereichen Wasser und Sanitär, Landwirtschaft, Waisenkinder, HIV/AIDS und Kleinstkredite. Ich habe Dorfkommitees und Vorschullehrer unterrichtet, habe Besuche abgestattet bei Partnerprojekten und im Büro Treffen abgehalten, Übersichten erstellt, die Datenbank aktualisiert und Ausstellungen vorbereitet. Ich habe also sowohl an der Leitung des Projekts als auch an der Durchführung von Aktivitäten mitgewirkt.



Also - warum schreib ich Euch? Na, da ich ja einige Zeit in dem Land gewesen bin, in das Eure Spenden gehen, würde ich Euch gern meine eigene Sicht auf dieses wunderbare Land vorstellen, mit seinen liebenswerten Menschen, und Euch von mir persönlich mitteilen, wie gut es ist, dass Ihr diese Kinder unterstützt.

Das Beste an meinem Aufenthalt in Zambia war, in all die dankbaren und lächelnden Gesichter zu sehen, jeden Tag. Ich habe eine Menge gelernt über die Minimalität des Lebens, über ein Leben ohne den Abfall und die Standardsymbole der westlichen Welt, die die Menschen sammeln und von denen sie fälschlicherweise glauben, dass sie sie glücklich machen. Es ist ein Leben zwischen dem Kampf um das Überleben und der schlichten Freude am Dasein. All diese Kinder zu sehen, die ihre Eltern verloren haben, die an AIDS und anderen Krankheiten gelitten haben, die jeden Tag hart gearbeitet haben, nur um zu überleben... all diese Kinder, die immer noch ein freundliches und glückliches Lachen in ihrem Gesicht haben, gaben mir einen Stoss ins Herz, der mich anspornte, weiterzumachen.



Die Menschen in Sambia haben nicht viel, aber was sie haben, das teilen sie. Mir ist es mehrmals passiert, dass ich im Busch eine Panne mit dem Motorrad hatte. Ich war nie ohne Hilfe. Kein Zweifel, eigentlich wäre es viel wichtiger für die Menschen gewesen, ihre Feldarbeit fortzusetzen, aber sie kamen, leisteten mir Gesellschaft, gaben mir etwas (viel!) zu essen, sogar Hühnchen, was bei den Armen wirklich nur selten gegessen wird.

Mir ist so viel Respekt gezollt worden für das bisschen Arbeit, das ich ausrichten konnte, die Menschen waren für alles dankbar, auch einfach dafür, dass eine Weisse aus der westlichen Welt sich für sie einsetzte.

Das Leben in einem Dorf ist hart, besonders die Frauen arbeiten jeden Tag. Nicht, um reich zu werden, sondern nur um das Überleben zu sichern. Was können Kinder tun in dieser Welt, wenn ihre Eltern sterben? AIDS ist überall, jede fünfte Person ist positiv oder hat die Krankheit, deshalb sind viele Kinder ganz auf sich gestellt. Ich kannte ein Mädchen in meiner Nachbarschaft, das sich um 6 jüngere Geschwister kümmerte. Keines von ihnen konnte zur Schule gehen. Sie hatten ein Stück Land, auf dem sie Mais und ein wenig anderes Gemüse angebaut haben. Machmal gaben die Nachbarn ihnen etwas, aber sie hatten schon nicht genug für ihre eigenen Kinder. Dieses Mädchen, das für das Überleben ihrer ganzen Familie sorgte, war nur 12 Jahre alt, selber noch ein Kind, aber nicht in der Lage, eine Kindheit zu erleben.

Diese Welt kann mit der westlichen Welt nicht verglichen werden. Kinder wachsen unter wirklich schlechten Berdingungen auf, es ist schlimmer als Sie es sich überhaupt vorstellen können. Trotzdem sind sie so höflich, glücklich über Papier und Stifte, wie für ein Geschenk Gottes. Ich habe viele Kinder gesehen, die beide Eltern verloren hatten, und doch noch die Kraft hatten, weiter zu gehen und zu lächeln.

Mein größter Respekt - und meine Glückwünsche - gelten jenen Menschen, die ihre Augen nicht vor dieser Welt verschließen. All das passiert auf UNSEREM Globus, wir alle sind Menschen. Ich fühle, dass ich noch eine Menge geben kann, deshalb werde ich definitiv dorthin zurückkehren, zu diesem langsamen, friedlichen, ehrlichen und einnehmenden Leben in diesem wunderbaren Land mit seinen grossartigen Menschen.

Viele Grüße an Euch alle,
an alle, die eine bessere Welt erreichen wollen - Schritt für Schritt.

Karina