Meisterbildhauer aus Simbabwe und die Geschichte ihrer Kunst


HUMANA People to People Deutschland e.V. wird in Zusammenarbeit mit "FriendsForever" und anderen Partnern Ende 2006 eine Ausstellung mit Steinskulpturen aus Simbabwe veranstalten. In Kürze mehr darüber auf unserer Homepage!
Zur Einführung hier ein Text aus dem Katalog zur Ausstellung in Holland 2005. Autor des Textes ist Sune Jörgensen, die Übersetzung ins Deutsche fertigte für uns Andrea Jürgens.
Auf den Bildern sehen Sie Taguma Mukomberanwa bei der Arbeit (oben) und seine Skulptur African Woman (unten).


Das Phänomen der modernen Steinskulpturen Simbabwes ist wahrlich erzählenswert. Und das nicht nur, weil es eine Stimme aus dem wundervollen Land Simbabwe darstellt, sondern vor allem wegen seiner Bedeutung als Kunstform, die menschliche Qualitäten auf moderne Weise ausdrückt und zugleich tief in Tradition und alten Überlieferungen verwurzelt ist. Wir staunen, wenn wir diese plastische Welt zeitgenössicher Kunst kennenlernen, die von Künstlern in südlichen Afrika unter Verwendung einfachster Mittel in Stein gehauen wurde. Was fühlen wir dabei? Die Nähe einer anderen Seele - aus einem anderen Teil der Erde - aus sehr verschiedenen Umständen - und doch - wir haben viel gemeinsam; was ist es? - fragen wir uns - und es gefällt uns ausgesprochen gut. Hier geht es nicht um den wohlhabenden Europäer, der dem "armen" afrikanischen Bürger die Hand reicht - und doch ist es auch das - aber zuallererst ist es die sehr persönliche Verbindung zwischen Menschen auf sehr hohem Niveau.

Lassen Sie mich Ihnen etwas über die Geschichte der Steinskulpturen erzählen und wie sich diese Kunstform aus verschiedenen sehr günstigen Umständen im heutigen Simbabwe entwickelte.

Über viele Jahre hieß das Land Rhodesien - davor südliches Rhodesien - nach dem Eroberer Cecil Rhodes. Den größten Teil des 20. Jahrhunderts war es britische Kolonie, bis es 1980, nach eimem harten und erbitterten Krieg, seine Freiheit und Unabhängigkeit wiederlangte und sich "Simbabwe" nannte.

Vor dieser Zeit existierte in Simbabwe ein Königtum, von welchem bis heute die monumentalen Steinbauten der Ruinenstatt "Great Zimbabwe" zeugen. Die Stätte wurde zum Namensgeber der neuen Republik. In den Gebäuden aus bis zu 10 m hohen, ganz ohne Mörtel gefügten Mauern fand man riesige, in Stein gemeißelte Vögel. Der "Simbabwe-Vogel" ziert heute die Nationalflagge.

Demnach gab es bereits eine Tradition der Steinmetzkunst, auch wenn die Vögel aus dem weichen Speckstein gearbeitet waren und nicht aus den Steinen, die hier in dieser Ausstellung zu sehen sind, wie Serpentin, Springstone, Opal und andere lokale Gesteinsvorkommen. Diese waren eine der Voraussetzungen für die Entstehung einer neuen Bildhauertradition.

Der "Great Dyke", eine geologische Auffaltung, die sich 555km vom Norden bis in den Süden des Landes erstreckt, birgt reiche Vorkommen dieser Gesteinsarten. Sie entstanden aus Jahrmillionen vulkanischer Aktivität mit sehr hohen Temperaturen und großem Druck. Mit ihrem Farbenspiel bergen die Steine ein besonderes Geheimnis, das erst dann zu Tage Tritt, wenn man sie kratzt, schleift, wäscht, erhitzt, wachst und poliert.

Ein weiterer günstiger Umstand für das Entstehen der neuen Kunstform war der Bau der Nationalgalerie im ehemaligen Salisburg und heutigen Harare, der Hauptstadt Simbabwes.
Frank Mc Ewen wurde aus Europa dorthin berufen, um die Leitung als erster Direktor zu übernehmen. Er besaß ein für die damalige Zeit ungewöhnlich großes Interesse an den Werken afrikanischer Künstler. Auf dem Gelände der Nationalgalerie entstand eine renommierte Kunstakademie, in der viele der heutigen Künstler ausgebildet wurden. Schließlich ging Mc Ewen mit den besten Künstlern ins Ausland - nach Paris, London und New York - mit großem Erfolg.

Tengenenge, eine Künstlervereinigung, gegründet auf der Farm von Tom Blomefield nordwestlich von Harare, unmittelbar an den Hängen des "Great Dyke", brachte viele Künstler hervor. Tom war ursprünglich Tabakfarmer. Als es aufgrund der einseitigen Unabhängigkeitserklärung Ian Smiths und seiner Apartheitregierung zu internationalen Sanktionen kam, wurde es unmöglich, vom Erlös des Tabakanbaus zu leben. So schlug Tom seinen Arbeitern vor, Steinskulpturen zu meißeln.

Die Bildhauermeister, welche während jener Zeit ihre Kunst entwickelten, werden heute die Bildhauer der ersten Generation genannt. Zu ihnen zählt der späte Henry Munyaradzi, Bernard Matemera und Nicholas Mukomberanwa, die alle in dieser Ausstellung vertreten sind.

Auch Fanizani Akuda, Enos Gunja und Edward Chiwawa gehören zu den Bildhauern der ersten Generation und werden hier gezeigt. Sie haben speziell für diese Ausstellung einige neue Kunstwerke geschaffen.

Die zweite Generation der Bildhauer wird angeführt von zwei Söhnen der großen Meister: Henry's Sohn Mike Munyaradzi und Nicholas' Sohn Lawrence Mukomberanwa. Die neuen Meister sind mit vielen Werken auf dieser Austellung vertreten. Ihre Stücke stehen teilweise zum Verkauf und sind zum Teil Leihgabe der Dauerausstellung von "Friends Forever". Mike Munyaradzi und Lawrence Mukomberanwa, beide Vorstandsmitglieder von Friends Forever, genießen sehr hohes Ansehen unter allen hier ausgestellten Künstlern.