Abschlussbericht: "6 Monate Kampf gegen HIV/AIDS in Namibia"


Berthold Schucht war als Auslandsfreiwilliger bei TCE - Total Control of the Epidemic - einem großangelegten Programm gegen HIV/AIDS. Die verantwortliche Organisation vor Ort, DAPP Namibia, ist Mitglied der internationalen HUMANA People to People Bewegung.

Dies ist der Schlussbericht über meinen Einsatz am TCE Projekt in Namibia vom 01.02.06 bis 30.06.06. Ich hoffe, dass Sie die Lektüre genießen werden, wie ich meine Zeit in Namibia genossen habe. Mein Ziel zu Beginn meiner Tätigkeit war, die Krankheit AIDS mit Erfolg zu bekämpfen und eine neue Kultur kennen zu lernen.

In der ersten Woche konnten wir uns einigen Field Officers (FO) während ihrer Feldbesuche anschließen. Das gab uns die Gelegenheit zu sehen, wie die FO im Feld und unter den gegebenen Bedingungen arbeiten. In der zweiten Woche war ich Teil des Ausbilder-Teams, das eine neue Truppe von FO unterrichtete. Das war eine sehr gute Erfahrung nach der 6monatigen Vorbereitung in Dänemark, weil ich sehen konnte, dass das Vorbereitungsprogramm sehr nützlich und notwendig gewesen war. Alles, was wir in Dänemark gelernt hatten, konnten wir anwenden.

Am Ende der zweiten Woche erhielt ich den Auftrag, Annastasia beim Aufbau der Devision 3 in der Kavango Region zu unterstützen. Das war eine echte Herausforderung, weil alles neu, interessant und aufregend war. Das Ziel der ersten Woche war, ein Haus zum Schlafen zu finden und ein Büro zum Arbeiten und für die Teffen mit den politischen Führern der Region. Sehr häufig dachte ich: Wir können es nicht schaffen. Aber Annastasia gab mir die notwendige Unterstützung und Ratschläge, so dass wir weiter an den verschiedenen Aufgaben arbeiten konnten. Für nur zwei Menschen hatten wir viele Ziele zu erreichen, nicht nur die oben genannten. Wir mussten ungefähr 70 FO finden, um die Nachricht über HIV/AIDS zu verbreiten.

Wir baten den Radiosender, unsere Nachfrage nach Bewerbungen zu senden. Als wir etwa 800 Bewerbungen erhalten hatten, baten wir unsere örtlichen Berater, eine Vor-Auswahl zu machen, weil sie den Charakter der Leute kennen. Dann fingen wir an, eine Liste mit Kandidaten für die Vorstellungsgespräche zu machen. Für diese Arbeit erhielten wir Extraunterstützung vom Büro des „KorpsCommanders“, das uns 2 Spezialkräfte (Viktoria und Kiss) schickte.

Nach den Interviews begannen wir dann mit der Ausbildung in Kaisosi, einem Ausbildungszentrum in der Nähe von Rundu. Es war nicht leicht, ein Klassenzimmer zu kontrollieren, in dem 85 FO unterrichtet werden sollten, aber wir konnten doch einen gewissen Erfolg verzeichnen. Die Ergebnisse der Prüfungen waren ziemlich befriedigend, und wir verloren nie die gute Stimmung - weder wir Ausbilder noch die FO. Nach 3 Wochen theoretischer Ausbildung und einer Woche praktischer Ausbildung fingen die FO Ende April mit ihrem Job im Feld an. Sie informierten die Leute darüber, wie das Virus übertragen wird, und wie sie sich schützen können.

Sobald die Ausbildung beendet wurde und die FO im Feld arbeiteten, dachte ich, dass jetzt es nichts mehr zu tun gibt für uns Spezialkräfte - aber dem war nicht so. Wir mussten uns ihnen anschließen, um sie in ihren ersten Wochen im Feld zu unterstützen, weil es immer gut ist, einen erfahreneren Partner auf der Seite zu haben, wenn man mit einem neuen Job anfängt. So halfen wir ihnen sehr, als schwierige Fragen auftauchten. Aber die Hauptsache war unsere Anwesenheit, die ihnen das nötige Vertrauen gab, um die Nachricht zu verbreiten.

Wir machten immer einen Bericht von diesen Feldbesuchen und besprachen die Probleme und die entsprechenden Lösungen auf der folgenden Truppensitzung mit der Absicht, dass jeder von den präsentierten Fallstudien lernen konnte.

Ein anderes wichtiges Thema in diesen Truppensitzungen war es, die Zahlen einzusammeln. Wir nannten sie die „11 Hauptzahlen“. Die 11 Hauptzahlen sind ein Maßstab dafür, wie erfolgreich unsere Field Officer im Kavango Gebiet sind. Nach 6 Wochen im Feld machten wir einen Status, und die Truppe hatte ihre Ziele erfolgreich erreicht. Die wenigen FO, die ihre Zeile nicht erreicht hatten, sind uns bekannt, und wir werden sie in der nahen Zukunft mit speziellen Rollenspielen oder Kursen unterstützen. (Na ja, ich sage „wir“, weil ich mich immer noch als Teil dieser Mannschaft fühle).

Eine andere interessante Auf- gabe für mich sollte sein, die „baseline study“ (Untersuchung der Ausgangslage) vorzuberei- ten, was bedeutete, einigen FO beizubringen, wie man eine solche Untersuchung durch- führt. Wie man die Organisation DAPP präsen- tiert, wie man das Programm TCE präsentiert, wie man die richtige Art und Weise findet, zu fragen, und auch, wie man die Antworten der Interview- partner respektiert. Als alle Interviews abgeschlossen waren, musste ich die Antworten im Computer eingeben, um eine Analyse der Ergebnisse zu machen.
Ich machte einen Vergleich der Ergebnisse von den verschiedenen Wahlkreisen – welche Probleme sind allen gemeinsam, und welche Probleme bestehen nur in ein oder zwei Wahlkreisen. Alle diese Informationen bilden das Fundament für die spezifischen Aktivitäten, die an den einzelnen Orten vorgenommen werden müssen. Ohne eine solche Untersuchung der Ausgangslage kennt man die spezifischen Probleme an den einzelnen Ort nicht; man würde viel Energie und Geld verschwenden, wenn man einfach nur in jedem Gebiet dieselben Aktivitäten durchführen würde.

Am Ende des Projektes verließ ich Rundu mit dem Gefühl, dass ich getan hatte, was ich konnte. Außerdem glaube ich, dass unsere FO gut ausgebil- det sind, und respektvoll und intelligent genug, um mehr zu lernen, um die Krankheit mit Erfolg zu bekämpfen. Während meiner Arbeit in der Kavango Region, mit den FO und den lokalen Führern bekam ich auch sehr gute Kenntnisse aus eigener Anschauung über die Kultur in der örtlichen Gemeinschaft.

Ich sah eine riesige Lücke zwischen reich und arm - Häuser, die in der Nähe vom Fluss standen mit einer Aussicht über den Fluss und die Savanne Angolas auf der einen Seite, und auf der anderen Seite habe ich die traditionellen Gastgeber im Ländlichen Rundu West und Ost gesehen und kennen gelernt. Aber ich war auch überrascht, wie sich die Leute an ihre Situation angepasst haben, und habe sie immer in einer guten Stimmung gesehen.

Zum Schluss kann ich nur jedem in Europa empfehlen, eine bestimmte Zeit in Afrika zu arbeiten und zu lernen, wie die Leute dort leben, und wie sie ihre täglichen Herausforderungen überwinden. Außerdem würde ich gern die Gelegenheit nutzen, mich bei meinen Teamkollegen in Rundu für ihre Unterstützung zu bedanken. Sie gaben mir immer das Gefühl, willkommen zu sein. Die Teamkollegen sind Annastasia und Francis (A&F) aus Simbabwe und Kiss aus Botswana.