Eine Zeit, die mein Leben verändert hat

Im Mai 2006 startete ich mein Programm als Development Instructor (Auslandsfreiwillige) mit der Vorbereitung in Dänemark an einer Schule für Kinder und Jugendliche mit sozioemotionalen Störungen und/oder geistig bzw. psychischen Behinderungen.

Meine Arbeit in diesem Programm galt zum einen als Vorbereitung für Afrika und bot weiterhin die Möglichkeit, die nötigen finanziellen Mittel zu erarbeiten.
Zum Startzeitpunkt war ich 27 Jahre alt und hatte bereits 3 Jahre als Ergotherapeutin in einer multiprofessionellen Praxis gearbeitet. Meine Berufserfahrung war von Vorteil, aber nicht in jedem Fall notwendig.
In Dänemark bereitete ich mich in theoretischer Hinsicht durch ein computergestütztes Eigen- studium, afrikarelevante Kurse und den Austausch mit zurückgekehrten Voluntären und meiner zukünftigen Projektleiterin in Mosambik, auf Afrika vor.
(Foto: “Summercamp” im Juli 2006, Kanutour mit Kindern und anderen DIs)

Auch auf der praktischen Seite gab es für mich viele Dinge, die ich für meinen späteren Aufenthalt in Mosambik gut gebrauchen konnte: ich unterstützte die Pädagogen in den Internaten durch soziale Arbeit, gab Vorträge an unseren Studien- und Teamtagen, lernte handwerklich viel dazu, entwickelte Strategien, um für mein Projekt Spenden zu sammeln, hatte die Möglichkeit, an der Organisation von verschiedenen grossen Veranstaltungen, wie dem Sommer-Theater oder der "Olympiade" mitzuwirken und habe immer wieder viele verschiedene interessante Menschen aus allen Teilen dieser Erde getroffen, was schon vor der Reise nach Afrika für den Austausch zwischen den Kulturen gesorgt hat. Es gab immer viel zu tun und nicht zu vergessen sind die vielen Reisevorbereitungen in den letzten Wochen vor der Reise.
(Foto: “Buildingweekend” im Mai 2006 in Boserup)

Dann endlich war es so weit und mein lang gehegter Traum, in Afrika arbeiten und leben zu können, wurde wahr.

Am 3. November 2006 begann meine Arbeit in Mosambik – genauer in Maputo, der Hauptstadt des im südlichen Afrika gelegenen Landes. Mein Projekt, mit dem Namen HOPE, arbeitete im Rahmen der HIV Prävention.
(Foto: November 2006, Schild vor dem Center)

Am meisten an dieser Art der Arbeit mochte ich, dass ich in den Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen kam. Zum einen traf ich auf die ländliche Bevölkerung und auf der anderen Seite begann ich mit Vorlesungen in dem riesigen Firmenkomplex, der ebenfalls in der Nähe des Centers lag. Dieses Center lag ein wenig ausserhalb von Maputo. Die tägliche Arbeit bestand darin, Menschen jeden Alters über HIV und andere lebensbedrohliche Krankheiten oder auch Hygiene aufzuklären, sie davon zu überzeugen, einen HIV-Test machen zu lassen und/oder Kondome zu benutzen. Dabei fanden wir die Leute auf Marktplätzen, in Krankenhäusern, Firmen, Schulen oder einfach auf der Strasse und redeten mit ihnen.

Das Hope Projekt hatte zudem ein Waisen- programm, welches jeden Samstag stattfand. Dies war für mich das absolute Highlight der Woche – 20 Kinder im Alter zwischen 5 und 12 kamen ins Center, um zu lernen, spielen, essen, kuscheln, lachen... diese Tage waren wundervoll, auch wenn es häufig schwer war, mit der anderen Realität der Kinder klarzukommen. Denn sie hatten bereits einen harten Alltag und nicht zu vergessen war immer die Tatsache, warum sie eigentlich einen Platz in unserem Programm hatten – sie waren Waisen! Einige von ihnen bestritten ihr Leben tatsächlich allein.
(Foto: Januar 2007, Waisenprogramm)

Viele solcher unfassbaren Dinge begegneten mir in Mosambik und oft fühlte ich mich ohnmächtig. Doch haben mich auch diese traurigen, ergreifenden Momente etwas wichtiges im Leben gelehrt: es bringt den betroffnenen Menschen nichts, wenn ich mit ihnen oder für sie weine, es bringt ihnen nur dann etwas, wenn ich nach dem Weinen aufstehe und etwas tue, das ihr Leben positiv und nachhaltig verändern kann.

Also stand ich auf, gründete einen sogenannten Life-Skill-Club für Frauen, in dem sie u.a. Englisch lernen konnten, ging wie bereits erwähnt zu verschiedenen Firmen, um Vorlesungen über Gesundheitsthemen zu geben und versuchte immer wieder freiwillige Helfer aus der Umgebung in meine Arbeit einzubeziehen, was hervorragend funktionierte. Jene Freiwillige haben die meisten Projekte nach meiner Ausreise übernommen und arbeiten immer noch erfolgreich weiter.br> (Foto: Februar 2007, Life Skill Club)

Die vielen Menschen, welche ich kennen lernen durfte, mit welchen ich viel Zeit verbracht und Freundschaften geschlossen habe, nach den sechs Monaten zurückzulassen, war schwer für mich und ich vermisse die Freunde genauso wie die Wärme der Kultur und des Landes.

(Foto: April 2007, Abendessen mit einer befreundeten Famlie)



Für mich war die Zeit in Mosambik eine Zeit, die mein Leben verändert hat. Mit Leben sind meine persönlichen Einstellungen und Ansichten genauso gemeint wie meine Zukunftspläne. Afrika hat die Fähigkeit jeden Menschen zu beeinflussen und zwingt dazu, die Augen und Ohren zu öffnen... und auch das Herz, wenn man es zulassen möchte.

Ich kehrte im Mai 2007 an die Schule DIE Boserup, wo ich auch schon meine Vorbereitungszeit verbracht habe, zurück, um mein Camp Future anzutreten.
Diese 2 Monate haben mir massgeblich dabei geholfen, meine Erlebnisse zu verarbeiten und neue Wege zu planen. Einer dieser Wege wird hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft zurückführen

– zurück nach Mosambik!!!

Melanie Petters