Okt. 2008: Vimalo schreibt aus Tete, Mosambik

Liebe Freunde,
dies sind die ersten Neuigkeiten von mir aus Mosambik. Es ist jetzt schon einige Zeit her, dass ich diese Reise begann, die mir so viele schöne Eindrücke, Begegnungen und unvergessliche Momente beschert hat.

Ich war sehr froh darüber, endlich aus Maputo raus zukommen. Sechs Tage musste ich hier verbringen, bis alles organisiert war, um die Reise zu meinem Projekt antreten zu können. Es ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, dass die ADPP für den Transport auf den öffentlichen Fernverkehr zurückgreift, aber ich nahm die Reise in dem völlig überladenen Minibus als eine gute Gelegenheit um Mosambik und seine Menschen kennen zu lernen.

Auf dem langen Weg wurde ich Zeuge, wie sich die Landschaft der tropischen Gaza und Inhambane Provinzen mit ihren Palmen und türkisfarbenen Meeresküsten langsam in eine trockene, lichtere und etwas öd anmutende Gegend änderte.

Nach einem kleinen Zwischenstopp bei ADPP in Chimoio, wo ich mithelfen konnte, eine Spende von 40.000 Büchern zusammen mit anderen Mitarbeitern zu sortieren, trafen wir hier auf unseren Projektleiter, der uns nach Nhamantanda und Beira mitnahm, da er dort noch ein paar Sachen zu erledigen hatte. Ich nahm die Chance wahr, noch ein klein wenig mehr von Mosambik kennen zu lernen.

Und endlich, zwei Wochen nach meiner Abreise von Dänemark, bin ich dann in Manje, Chiúta, im Distrikt Tete, angekommen. Das EPF Tete ist noch immer im Bau, einige Wohnhäuser und Klassenzimmer sind schon fertig, aber der größte Teil der Gebäude muss noch gebaut werden.

Wir sind hier im Dunkeln angekommen und es gab nur wenige Lampen, die vom dieselbetriebenen Generator gespeist wurden. Es gibt kein Stromnetz, ganz zu schweigen von Telekommunikation. Aber es ist wohl in Planung, das Dorf mit beidem zu verbinden. Vielleicht werde ich noch Zeuge dieser Entwicklung.

Der elektrische Strom, den der Generator vom Nachmittag bis in den späten Abend erzeugt, reicht im Moment vollkommen aus, um das Projekt mit Energie zu versorgen. Die Latrine, die offene Dusche und meine Hütte aus Schlamm sind wundervoll. Ich habe sogar Internet in der Schlammhütte, was schon sehr komisch ist, von hier draußen im Nirgendwo mit jemandem in Europa über Skype zu telefonieren.

Unsere Begrüßung war sehr schön. Die Studenten sangen für uns die berühmte Hymne „We are happy to be together…“ Nur wenige Studenten und Lehrer sprechen Englisch, so war ich gezwungen, von Beginn an mein gebrochenes Portugiesisch zu verbessern. Und mit jedem Tag Übung wird es immer besser.

Im Moment sind 40 Studenten hier, weitere 100 sollen im Januar anfangen, da Mosambik die Lehrerausbildung auf eine 1-jährige Ausbildung umstellen möchte.
Leider gibt es hier noch gar nicht so viele Gebäude, um sie alle unterzubringen. Verglichen mit anderen EPF´s ist das Leben hier noch viel intimer. Ich kenne alle Studenten persönlich und wir essen zusammen.

Die Lehrer sind alle sehr nett, die Freundlichkeit, Offenheit und unbeschwerte Lebensweise sind einfach unglaublich. Den Respekt, den man hier einem Lehrer entgegenbringt, ist nicht mit europäischen Verhältnissen zu vergleichen. Ich hab mich schon an das „O Senhor Formador“ gewöhnt. Womit ich mich nicht anfreunden konnte, ist, dass die Studenten immer alles für die Lehrer erledigen wollen, wie z.B. ihr Wasser tragen usw.

Als ich hier angekommen bin, waren die Studenten mitten in der Vorbereitung für ihre Prüfungen in den Spezialisierungsfächern. Ich half der Gruppe, die sich auf Englisch spezialisiert hatte und in dem Fach dann auch die Prüfungen schreiben musste. Ich wurde dann auch in den Prüfungsausschuss einberufen. Die Standards sind hier nicht sehr hoch, der Englischlehrer spricht auch nicht fließend.

Ich war daher sehr bestrebt, mit ihm zusammenzuarbeiten um seine Methoden etwas verbessern zu können. Ich wollte ihm ein paar Tipps und Material geben, um den zukünftigen Unterricht besser gestalten zu können.

Die nächste Spezialisierung ist schon so weit und ich war jetzt verantwortlich für das Fach Musik, welches ich nun auf Portugiesisch unterrichten musste. Ich hab mich sehr auf praktische, audiovisuelle Sachen konzentriert. Ich möchte noch einen EnglischClub starten, um die Kontinuität zu bewahren und einen InformatikClub für die Leute aus der Umgebung.

Ich hab meinen Platz hier gefunden, ich fühle mich sehr einbezogen und respektiert. Ich hab mich an die langsamere Zeit gewöhnt und die Notwendigkeit, Dinge zu be-wegen. Die Hitze zollt allerdings ihren Tribut, da wir uns schon um die 45 Grad haben.

Alle Gute,
Vimalo
EPF Tete, Chiúta Mosambik