Zum Weltlehrertag 2009
HUMANA People to People Mitgliedsorganisationen im Südlichen Afrika haben bisher mehr als 8.000 Lehrer ausgebildet

Lehrer sind die Grundsteine der Ausbildung für eine nachhaltige Entwicklung", sagte der Generaldirektor der UNESCO bei der Bonner Welt Konferenz für Nachhaltige Entwicklung (World Conference for Sustainable Development) im März diesen Jahres.
Am 05. Oktober ist World Teacher's Day, auf Deutsch Weltlehrer/innentag. Seit 1994 würdigt die UNESCO jedes Jahr am 05. Oktober die Arbeit der Lehrer, inzwischen in mehr als 100 Ländern weltweit.

Ausgebildete Lehrer sind sehr wichtig für die Ausbildung für eine bessere Welt, und für eine nachhaltige Entwicklung. Ein jährlicher Welttag der Lehrer ist wichtig, weil er Fokus auf den Mangel an Lehrern in der Welt setzt. Heute gibt es weltweit etwa 680 Millionen Kinder in der Grundschule. Aber es gibt auch so viele wie 100 Millionen Kinder, die keine Möglichkeit für Schulgang haben. Schlechte Qualität der Ausbildung verursacht eine hohe Rate von Abbrechern und Nichtvollendungen. Sie ist ein Resultat von irrelevanten und veralteten Studienplänen, überfüllten Klassenräumen und ungeübten Lehrern. Weiter gibt es einfach nicht genügend Lehrer in der Welt um eine gute Ausbildung für alle Schüler zu gewährleisten. Das Schüler-Lehrer Verhältnis weltweit liegt laut UNESCO bei einem Durchschnitt von etwa 22 Schülern pro Lehrer. In Malawi liegt es aber bei 63, in Angola bei 35, in Mosambik bei 66, und in Indien bei 40. Die höchste Zahl findet man in Afghanistan, mit 83 Kinder pro Lehrer. Im Vergleich liegt das Verhältnis in Deutschland bei 14.

Das zweite Millennium Entwicklungsziel der Vereinten Nationen ist allgemeine Grundschulausbildung bis zum Jahr 2015. Um das zu schaffen werden 15 Millionen neue Lehrer gebraucht. Die größte Herausforderung findet man im südlichen Afrika. Infolge der Schätzungen der UNESCO braucht die Region etwa 68 % mehr Lehrer um das Millennium Entwicklungsziel zu erreichen. Ausserdem ist es so, dass diejenigen Länder, die die meisten neuen Lehrer brauchen, auch die Länder sind, die die am wenigsten qualifizierten Lehrer haben. Sowohl Quantität als auch Qualität der Lehrer muss erhöht werden. Qualitätsunterricht bringt Kinder zur Schule und hält sie dort.


Humana People to People (Humana) widmet sich der Ausbildung von Lehrern, damit die Schüler genügend Lehrer haben und eine gute Ausbildung bekommen. Humana betreibt Lehrausbildungsstätten in den ländlichen Gebieten Afrikas: in Angola, Mosambik und Malawi.

Seit dem Start des Programms 1993 wurden durch HUMANA-Mitgliedsorganisationen im südlichen Afrika mehr als 8.000 Lehrer ausgebildet. 80 % der Absolventen arbeiten als Lehrer in den ländlichen Gebieten oder als Ausbilder an den Lehrerausbildungsstätten. Die Ausbildung von Lehrern, die willens und in der Lage sind, unter schwierigen Bedingungen an Dorfgrundschulen zu unterrichten, ist ein großer Beitrag zur Entwicklung des Landes. Entwicklung beginnt nämlich auch im Klassenzimmer, mit den Kindern und ihrem hingebungsvollen Lehrer. Zusammen können sie Wunder vollbringen, wenn der Lehrer gut ausgebildet ist.

Die Lehrerausbildung in der HUMANA People to People Bewegung hat acht verschiedene Phasen: 1. Unsere Welt; 2. Unser Land; 3. Praktische Arbeit/ Weiterbauen am College; 4. Schulpraxis und weitere Studien; 5. Spezialisierung und Vertiefung; 6. Pädagogische Workshops; 7. Examen und Abschluss. Im Portugiesischen werden die Colleges "Die Schulen für die Lehrer der Zukunft" genannt. Dieser Name drückt das Bestreben aus, Ausbildung von solcher Qualität zu geben, dass die Lehrer in der Lage sind, weiter unterrichten zu können und auf die zukünftigen Herausforderungen reagieren können, selbst wenn wir nicht wissen, welcher Natur diese Herausforderungen sein werden.

In Angola gehen weniger als zwei Drittel der Kinder im schulfähigen Alter zur Schule. Mehr als die Hälfte der Schulen, die im Zeitpunkt der Unabhängigkeit 1975 existierten, wurden während des Bürgerkriegs zerstört. Seit dem Frieden 2002 wurden große Anstrengungen unternommen, um die Situation zu verbessern. Es wurden mehr als 18.000 Klassenräume gebaut und über 70.000 neue Lehrer haben ihre Arbeit an den Grundschulen aufgenommen. Die Mehrheit der neuen Lehrer hat aber keine pädagogische Ausbildung. Die Anzahl der Schüler in den Grundschulen hat sich ab 2002 binnen weniger Jahre mehr als verdoppelt. In der gleichen Zeit begann in Angola eine Schulreform mit der Absicht, die Schule für die Kinder relevanter zu machen und bessere Schulergebnisse als früher zu erzielen.
ADPP Angola betreibt Lehrerausbildungsstätten in 10 Provinzen des Landes. Sie wurden im Laufe der letzten 14 Jahre eröffnet und haben bisher 2.578 Lehrer ausgebildet. Von diesen sind 90 % weiterhin im Schuldienst tätig, sie unterrichten etwa 150.000 Kinder. Im Jahr 2009 haben 840 zukünftige Lehrer ihre Ausbildung bei ADPP begonnen. Der Bau der 11. und 12. Lehrerausbildungsstätte in Kwanza Sul und Huila werden fertiggestellt und der Bau der Ausbildungsstätte in Kwanza Norte begonnen. Mit dem angolanischen Bildungsministerium vereinbart ist, dass insgesamt 16 Lehrerausbildungsstätten von ADPP gebaut und betrieben werden. Damit hat ADPP einen erheblichen Anteil am Fortschritt im angolanischen Schulsystem, und die obigen Zahlen belegen den offenkundigen Bedarf für die zukünftige Expansion in Angola.

In Malawi stieg die Zahl der Grundschüler seit der Einführung des kostenlosen Grundschul- unterrichts 1995 von 1,9 Millionen auf 3,4 Millionen. Damals gingen nur die Hälfte der Kinder im schulfähigen Alter in die Schule, 2007 waren es 88 %. Der Kampf gilt einer besseren Qualität an den Grundschulen. Ein Hauptproblem in den Dorfschulen sind die Klassengrößen von mehr als 80 Kindern. Es besteht ein großer Mangel an Lehrern in Malawi. Wie schon genannt gibt es hier im Durchschnitt 63 Kinder pro Lehrer. In den letzten 10 Jahren wurden viele Lehrer ohne richtige Ausbildung eingestellt und viele pensionierte Lehrer wurden reaktiviert, um die Situation zu verbessern. Trotzdem fehlen noch 18.000 Lehrer, es müssen jetzt 5 Jahre lang mindestens 6.000 Lehrer jährlich ausgebildet werden, um Bildung für alle zu erreichen. Die Regierung bildet derzeit 3.500 Lehrer jährlich aus.
DAPP Malawi hat am 30. August 2009 eine neue DAPP Lehrerausbildungsstätte eröffnet. Sie wurde vom Präsidenten des Landes, Ngwazi Dr. Bindu wa Mutharika, eingeweiht. Damit betreibt DAPP Malawi jetzt zwei Lehrerausbildungsstätten und "produziert" Lehrer speziell für den Einsatz in den ländlichen Gebieten, wo der Bedarf am größten ist. Bisher wurden 332 Lehrer ausgebildet. Bis zum Jahr 2014 plant DAPP Malawi sechs solche Lehrausbildungs- stätten zu bauen und zu betreiben, und etwa 1.000 Grundschullehrer jedes Jahr auszubilden.

In Mosambik gibt es kein Recht auf kostenlosen Grundschulunterricht. Die Hälfte der Erwachsenen kann nicht lesen und schreiben. 66 % der Frauen sind Analphabeten. Seit dem Ende des Krieges 1993 hat Mosambik eine Menge Anstrengungen für den Grundschul- unterricht unternommen. Jetzt gehen 80 % der Kinder 5 Jahre lang zur Schule, während 30 % weitermachen bis zur 6. oder 7. Klasse. Mosambik hat noch zu wenige Klassenzimmer, Schulmöbel und Schulbücher, aber auch in dieser Hinsicht hat viel Fortschritt stattgefunden. Zahlreiche der nicht ausgebildeten Lehrer wurden ausgebildet und viele von ihnen nehmen an der landesweiten Kampagne zur Verbesserung der Unterrichtsqualität an den Grundschulen teil.
ADPP Mosambik unterstützt die Entwicklung des Grundschulunterrichtes in Mosambik derzeit durch den Betrieb von 11 Lehrerausbildungsstätten und dem Bau einer weiteren, und mit einer Hochschule für die Ausbildung der Ausbilder an den Lehrerausbildungsstätten. Bis Ende 2008 hat ADPP Mosambik 5.121 Lehrer ausgebildet. Im Jahr 2009 haben 1.610 neue Grundschullehrerstudenten angefangen. Das verspricht viel für die Zukunft.


Die Dekade für Bildung für nachhaltige Entwicklung wurde von den Vereinten Nationen ausgerufen, sie läuft von 2005 bis 2014. Dieses Jahrzehnt ist geschaffen worden, um das Erkennen der kritische Rolle, die die Ausbildung in der Entwicklung spielt, zu fördern. Es handelt sich hier nicht nur um alle Formen der Ausbildung, sondern auch darum, für Veränderung zu lernen, und zu lernen, zu verändern.

*Zahlen: UIS (Unesco Institute for Statistics), ADPP Mosambik, ADPP Angola und Humana People to People.
Bilder: ADPP Mosambik.