Zum Welternährungstag 2009
Hunger und Armut - noch immer eine der größten Herausforderungen

Welternährungstag 2009: Dieser Artikel stellt zunächst die 8 Entwicklungsziele der Vereinten Nationen vor, und zeigt dann auf, wie HUMANA für Entwicklung arbeitet, und was die internationale HUMANA People to People Bewegung bisher konkret erreicht hat.

DIE MILLENNIUM-ENTWICKLUNGSZIELE DER VEREINTEN NATIONEN

ERSTES ENTWICKLUNGSZIEL: BEKÄMPFUNG EXTREMER ARMUT & HUNGER
Teilziel 1: Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die weniger als den Gegenwert von einem US-Dollar pro Tag zum Leben haben.
Teilziel 2: Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die Hunger leiden.
Teilziel 3: Vollbeschäftigung in ehrbarer Arbeit für alle erreichen, auch für Frauen und Jugendliche.


Erstmals in der Geschichte der Menschheit hungern jetzt, im Jahr 2009, mehr als 1 Milliarde Menschen. Jedes Jahr sterben etwa 10 Millionen Menschen an Hunger - etwa 23.000 pro Tag. Darunter 18.000 Kinder unter 5 Jahren. Laut Weltbank lebten im Jahr 2005 ca. 1,4 Milliarden Menschen von 1,25 USD oder weniger pro Tag.

Am 16. Oktober ist Welternährungstag und am 17. Oktober ist Internationaler Tag für die Ausrottung der Armut. Wichtig ist die Aufklärung über Verbreitung und Ursachen von Hunger und Armut, über Erfolge und Rückschläge und neue Wege im Kampf gegen Hunger und Armut. In unserer reichen Ecke der Welt müssen wir manchmal daran erinnert werden, besonders wenn die Finanzkrise vieles überschattet, und wenn Menschen in unserem Teil der Welt meist nicht an Hunger leiden, sondern eher an Übergewicht.

Tatsache ist, dass die Finanzkrise die weltweite Arbeitslosigkeit und Armut verschärft hat, und Entwicklungshilfe und Investitionen in Entwicklungsländer reduziert hat. Nach dem eklatanten Anstieg der Lebensmittelpreise sind zusätzliche 100 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Am meisten leiden Frauen und kleine Kinder. Es trifft die Kleinbetriebe und Landarbeiter, die ländlichen Gebiete der Welt, wo etwa 70 Prozent der Hungrigen leben und arbeiten. Die erste Reaktion der Ärmsten in einer Krise ist meistens, die Menge der Nahrung zu reduzieren, und vor allem die Vielfalt und Qualität einzuschränken. Die Folgen sind Unterernährung und Krankheiten bis hin zum Tod.

Das Millennium Entwicklungsziel Nr. 1 der Vereinte Nationen ist die Verminderung von extremer Armut und Hunger. Zielsetzung 1 besagt, dass der Anteil der Menschen, die von weniger als 1 USD pro Tag leben, bis 2015 halbiert werden soll - gemessen an 1990. Dieses Ziel ist erreichbar. Das liegt besonders an den Erfolgen in Asien und Ost-Asien; leider ist aber nicht so viel Erfolg im Südlichen Afrika aufzuweisen, wo noch etwa 50 % unter der Armutsgrenze leben. Zielsetzung 2 ist Vollbeschäftigung für alle, inklusive Frauen und jungen Leuten. Für viele ist Arbeit keine Befreiung aus der Armut, weil sie zu schlecht bezahlt werden. Zielsetzung 3 besagt, dass der Anteil der Menschen, die an Hunger leiden, bis 2015 halbiert werden soll, ebensfalls im Vergleich zu 1990. Der weltweite Anteil der Menschen, die an Hunger und Mangelernährung leiden, wurde tatsächlich reduziert, aber die Anzahl der Menschen, die hungern, ist gestiegen. Ca. 50 % der Kinder im Südlichen Afrika leiden an Untergewicht.

Der Anteil der Bevölkerung mit weniger als einem US-Dollar pro Tag nimmt in den Entwicklungsländern weltweit ab: von 31,6 Prozent im Jahr 1990 über 23,4 Prozent im Jahr 1999 auf 19,2 Prozent im Jahr 2004.

In 2007 hatten in den Entwicklungsländern 77 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen eine feste Anstellung. Das ist ein höherer Wert als in den Industrieländern (64 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen). Dies bedeutet jedoch auch, dass sich ein geringerer Anteil der Bevölkerung in der Ausbildung befindet. Die aussagekräftigere Zahl ist daher die, dass 2007 20,4 Prozent der Beschäftigten in Entwicklungsländern von weniger als einem US-Dollar am Tag leben mussten. In Sub-Sahara-Afrika liegt diese Quote gar bei schockierenden 51,4 Prozent.

2. ENTWICKLUNGSZIEL: GRUNDSCHULBILDUNG FÜR ALLE
Teilziel 4: Bis zum Jahr 2015 sicherstellen, dass Kinder in der ganzen Welt, Mädchen wie Jungen, eine Primarschulbildung vollständig abschließen können.

Info: Bildung ist ein Schlüssel für eine gerechtere Welt. Wer Wissen hat, wer lesen, schreiben und rechnen kann, wer sich informieren kann, ist weniger auf andere angewiesen, weniger anfällig für Ausbeutung und kann Gelegenheiten nutzen, sich selbst aus der Armut zu befreien. Heute gibt es weltweit etwa 680 Millionen Kinder in der Grundschule. Aber es gibt auch 100 Millionen Kinder, die keine Möglichkeit für Schulgang haben. Schlechte Qualität der Ausbildung verursacht eine hohe Rate von Abbrechern. Sie ist ein Resultat von irrelevanten und veralteten Studienplänen, überfüllten Klassenräumen und ungeübten Lehrern. Weiter gibt es einfach nicht genügend Lehrer in der Welt um eine gute Ausbildung für alle Schüler zu gewährleisten. Das Schüler-Lehrer Verhältnis weltweit liegt laut UNESCO bei einem Durchschnitt von etwa 22 Schülern pro Lehrer. In Malawi liegt es aber bei 63, in Angola bei 35, in Mosambik bei 66, und in Indien bei 40. Die höchste Zahl findet man in Afghanistan, mit 83 Kinder pro Lehrer. Im Vergleich liegt das Verhältnis in Deutschland bei 14.

Entwicklung: Der Trend ist positiv, aber nicht ausreichend: Die Nettoeinschulungsquote im Primarschulbereich stieg in den Entwicklungsländern zwischen 1991 und 2006 von 80 auf 88 Prozent. Bemerkenswert dabei ist, dass zwei Drittel des Anstiegs allein nach 1999 gelangen. Deutliche Verbesserungen sind also auch in kurzer Zeit möglich.

3. ENTWICKLUNGSZIEL: GLEICHSTELLUNG DER GESCHLECHTER
Teilziel 5: Das Geschlechtergefälle in der Primar- und Sekundarschulbildung beseitigen, möglichst bis 2005 und auf allen Bildungsebenen bis spätestens 2015.

Info:Die Logik ist einfach: Ohne Frauen ist keine Entwicklung möglich. Entwicklung ist nicht ohne Bildung möglich. Daraus folgt: Frauen müssen einen besseren Zugang zu Bildung bekommen. Bildung ist der Schlüssel zur Überwindung der weiblichen Unmündigkeit. Gebildete Frauen sind wirtschaftlich unabhängiger von ihren Familien, können Arbeiten außerhalb des eigenen Zuhauses annehmen und sind somit nicht gezwungen aus materieller Not heraus zu heiraten.

Entwicklung: 2006 waren von den nichtselbständigen, bezahlten Erwerbstätigen im Nicht-Agrarsektor nur 39 Prozent Frauen. Seit 1990 ist die Quote nur um vier Prozentpunkte gestiegen. In Nordafrika stagnierte sie in diesen 15 Jahren bei 21 Prozent. Den größten Sprung nach vorn machte Sub-Sahara-Afrika: von 25 Prozent in 1990 auf 31 Prozent in 2006.

Der politische Einfluss von Frauen wächst stetig, wenn auch sehr langsam. 2007 belegen Frauen weltweit 17 Prozent der Sitze in den nationalen Parlamenten. 1990 betrug die Quote 13 Prozent. Allerdings liegen die Industrieländer mit 22 Prozent nicht nur über dem globalen Durchschnitt, sondern auch weit über den meisten Entwicklungsregionen. Nordafrika und das westliche Asien mit je acht Prozent und Ozeanien mit nur drei Prozent liegen am Ende der Tabelle. Als Vorbild fungiert Ruanda, wo 49 Prozent der Abgeordneten weiblich sind – die beste Quote weltweit. Im Parlament der Afrikanischen Union müssen sogar mindestens die Hälfte der Plätze von Frauen belegt sein. Hoffnung macht zudem die Entwicklung in einigen arabischen Staaten: In Kuwait durften bei den Parlamentswahlen 2006 erstmals Frauen gewählt werden, immerhin zwei von ihnen bekamen ein Mandat.

4. ENTWICKLUNGSZIEL: SENKUNG DER KINDERSTERBLICHKEIT
Teilziel 6: Zwischen 1990 und 2015 Senkung der Kindersterblichkeit von Unter-Fünf-Jährigen um zwei Drittel (von 10,6 Prozent auf 3,5 Prozent).

Info: Alle drei Sekunden stirbt ein Kind. Die Todesursache ist oft eine vermeidbare Krankheit, die durch mangelhaften Impfschutz, verschmutztes Wasser oder unhygienische Lebensbedingungen hervorgerufen wird.

Entwicklung: Schätzungen zufolge starben in 2005 etwa 10,1 Millionen Kinder unter fünf Jahren – die meisten von ihnen aus vermeidbaren Gründen. Die Kindersterblichkeitsrate ging in den Entwicklungsländern weltweit zwischen 1990 und 2005 von 10,6 auf 8,3 Prozent zurück. Dieser Fortschritt ist allerdings ungleich auf die verschiedenen Entwicklungsregionen verteilt. Während vor allem Nordafrika (von 8,8 auf 3,5 Prozent) und Südostasien (von 7,8 auf 4,1 Prozent) einen beachtlichen Sprung nach vorn machten, tritt Sub-Sahara-Afrika (von 18,5 auf 16,6 Prozent) nahezu auf der Stelle.

Unter den Krankheiten mit Todesfolge für Kinder, die durch Impfungen vermeidbar sind, nehmen die Masern einen wichtigen Platz ein. 2005 starben weltweit 345.000 Menschen an Masern. 1999 waren es noch 873.000 Menschen gewesen - ein großer Erfolg der öffentlichen Gesundheitsvorsorge. Der Anteil der Ein- bis Zweijährigen, die gegen Masern geimpft wurden, ist ein wichtiger Indikator für den Zugang der Bevölkerung zu einer grundsätzlichen Gesundheitsvorsorge. In Sub-Sahara-Afrika zum Beispiel wurde die Quote zwischen 1999 und 2005 von 49 auf 64 Prozent gesteigert. Andere Entwicklungsregionen wie Ostasien (von 98 Prozent in 1990 auf 87 Prozent in 2005) und Ozeanien (von 70 Prozent in 1990 auf 63 Prozent in 2005) mussten dagegen Rückschritte verbuchen.

5. ENTWICKLUNGSZIEL: GESUNDHEITSVERSORGUNG DER MÜTTER
Teilziel 7: Zwischen 1990 und 2015 Senkung der Sterblichkeitsrate von Müttern um drei Viertel.
Teilziel 8: Bis 2015 allgemeinen Zugang zu reproduktiver Gesundheit erreichen.


Info: In den Entwicklungsländern stirbt eine von 48 Frauen bei der Entbindung. Die schockierende Quote hängt auch damit zusammen, dass Frauen dort oft viel zu früh – etwa im Alter von 12 bis 14 Jahren – verheiratet werden. Für die jungen Körper ist eine Schwangerschaft sehr risikoreich – von der häufig unzureichenden Gesundheitsversorgung ganz zu schweigen. Noch immer sterben jährlich 536.000 Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt aufgrund behandelbarer bzw. vermeidbarer Komplikationen.

Entwicklung: Die große Mehrheit tödlicher Geburten könnte durch professionelle medizinische Hilfe verhindert werden. Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und -pfleger sowie Hebammen können Probleme frühzeitig erkennen und Komplikationen vermeiden. In den Entwicklungsländern weltweit werden jedoch nur 57 Prozent der Geburten (2005) von solchen Fachkräften begleitet. Der Fortschritt gegenüber 43 Prozent in 1990 macht zwar Hoffnung, reicht jedoch nicht aus. Vor allem, weil Südasien (38 Prozent in 2005 gegenüber 30 Prozent in 1990), Sub-Sahara-Afrika (45 Prozent in 2005 gegenüber 42 Prozent in 1990) und Westasien (66 Prozent in 2005 gegenüber 60 Prozent in 1990) viel zu langsam vorankommen.

6. ENTWICKLUNGSZIEL: Bekämpfung von HIV/AIDS, MALARIA, ETC.
Teilziel 9: Bis 2015 die Ausbreitung von HIV/AIDS zum Stillstand bringen und eine Trendumkehr bewirken.
Teilziel 10: Bis 2010 weltweiten Zugang zu medizinischer Versorgung für alle HIV/AIDS-Infizierten erreichen, die diese benötigen.
Teilziel 11: Bis 2015 die Ausbreitung von Malaria und anderen schweren Krankheiten zum Stillstand bringen und eine Trendumkehr bewirken.


Info: Allein Malaria tötet in Subsahara-Afrika alle 30 Sekunden ein Kind. Nimmt man weitere Krankheiten hinzu, wird die Statistik noch schockierender. Dabei sind Krankheiten wie Malaria oder Tuberkulose heilbar, andere wie HIV/AIDS grundsätzlich vermeidbar. Die Strategie im Kampf gegen diese schweren Krankheiten muss zweigleisig sein:

  • Erstens gilt es, die Ausbreitung zu stoppen. Die Mittel dazu sind Aufklärung, die umweltverträgliche Bekämpfung von Krankheitsüberträgern wie der Malaria-Mücke und die Behandlung von Infizierten auf Quarantäne-Stationen.
  • Zweitens müssen alle Erkrankten Zugang zu Medikamenten bekommen. Dazu ist eine Lockerung des Patentschutzes für Arzneimittel notwendig.

    Entwicklung: Ende 2006 waren weltweit geschätzte 39,5 Millionen Menschen mit HIV infiziert. 2001 waren es 32,9 Millionen gewesen. 4,3 Millionen Menschen infizierten sich alleine in 2006. Die Zahl der AIDS-Toten stieg ebenfalls: von 2,2 Millionen in 2001 auf 2,9 Millionen in 2006.

    Die anhaltende Unterdrückung der Frau hat zu einem Trend der „Feminisierung" der ursprünglich eher männlichen HIV-Epidemie geführt. Während in den Industriestaaten nur 23 Prozent (im Jahr 2007) der HIV-Infizierten über 15 Jahre weiblich sind, sind dies in den Entwicklungsländern die Hälfte. Ozeanien und Sub-Sahara-Afrika weist sogar einen Anteil von 59 Prozent auf. Erschreckend ist auch die Entwicklung in Nordafrika und Westasien, wo sich die Quote von jeweils weniger als 0,1 Prozent in 1990 auf 29 bzw. 47 Prozent in 2007 gesteigert hat.

    Geschätzte 7,1 Millionen HIV-infizierte Menschen in den Entwicklungsländern benötigen eine Behandlung. Nur 31 Prozent davon erhielten in 2007 eine antiretrovirale Therapie. Immerhin konnte die Quote innerhalb eines Jahres deutlich gesteigert werden: 2006 lag sie noch bei 22 Prozent. Obwohl Sub-Sahara-Afrika 63 Prozent der weltweiten HIV-Infizierten beheimatet, erhalten dort nur 30 Prozent der Bedürftigen eine solche Therapie. Spitzenreiter ist Lateinamerika und die Karibik mit 72 Prozent, Schlusslicht Südasien mit nur neun Prozent.

    Im Jahr 2005 verloren geschätzte 15,2 Millionen Kinder ein oder beide Elternteile an AIDS, 80 Prozent davon in Sub-Sahara-Afrika. Bis 2010 wird die Zahl vermutlich auf 20 Millionen steigen.

    Mit Insektiziden behandelte Moskitonetze sind noch immer eine der effektivsten Waffen im Kampf gegen die Malaria. Dennoch erreichten nur sehr wenige afrikanische Staaten in 2005 das Ziel, dass 60 Prozent der Kinder unter 5 Jahren solchen Schutz bekommen. Südlich der Sahara waren es sogar nur 5 Prozent. Untersuchungen zeigten, dass Kinder in der Stadt dabei mit einer 2,5 Mal so hohen Wahrscheinlichkeit geschützt schliefen wie Kinder in ländlichen Gegenden.

    Im globalen Maßstab geht die Anzahl der an Tuberkulose Erkrankten zurück: Waren es in den Entwicklungsländern 1990 noch 367 von 100.000 Menschen gewesen, so waren es 2006 nur noch 151. Zum Vergleich: In den Industriestaaten erkrankten 2005 von 100.000 Menschen gerade einmal 16 an Tuberkulose.

    7. ENTWICKLUNGSZIEL: ÖKOLOGISCHE NACHHALTIGKEIT
    Teilziel 12: Die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung in der Politik und den Programmen der einzelnen Staaten verankern und die Vernichtung von Umweltressourcen eindämmen.
    Teilziel 13: Den Verlust der Biodiversität verringern, bis 2010 eine signifikante Drosselung der Verlustrate erreichen.
    Teilziel 14: Bis 2015 Halbierung des Anteils der Menschen ohne dauerhaft gesicherten Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser (von 65 Prozent auf 32 Prozent).
    Teilziel 15: Bis 2020 eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern und -bewohnerinnen bewirken.


    Info: Im Kampf ums Überleben und beim Aufbau einer blühenden Wirtschaft ist die Umwelt scheinbar nur im Weg. Ein fataler Trugschluss.

    Denn ohne eine ausreichende Schonung der natürlichen Ressourcen ist mittel- und langfristig kein menschenwürdiges Leben auf der Erde möglich. Ohne ökologische Nachhaltigkeit können Erfolge im Kampf gegen die Armut nur von kurzer Dauer sein.

    Die Industrieländer haben in ihrer Geschichte wichtige Erfahrungen mit Umweltproblemen wie schmutzigem Trinkwasser oder belastetem Boden gemacht. Nun müssen sie dieses Wissen und moderne technische Möglichkeiten zur Steigerung der Nachhaltigkeit an die Entwicklungsländer weiter geben.

    Zudem müssen die reichen Länder als größte Verschmutzer umweltpolitisch nachbessern. Nach wie vor sind sie es, die die Umwelt und die Biodiversität am stärksten strapazieren.

    Die ärmsten Länder sind ohne jegliches Verschulden in einen Teufelskreis geraten: Der Klimawandel verschlimmert das Armutsproblem, Armut befördert den Klimawandel. Denn arme Menschen können sich alternative Energien nicht leisten. Aufgrund ihrer schwach ausgebildeten Infrastruktur können die Entwicklungsländer durch den Klimawandel bedingten Unwettern kaum trotzen. Missernten verschärfen die Armut, Krankheiten breiten sich noch schneller aus.

    Entwicklung: 200 Quadratkilometer Waldgebiet – eine Fläche doppelt so groß wie Paris – werden täglich weltweit gerodet. Zwischen 2000 und 2005 gingen somit pro Jahr im Schnitt 7,3 Millionen Hektar verloren. Den Aufforstungsbemühungen reicher europäischer, nordamerikanischer und ostasiatischer Staaten steht die weiterhin rücksichtslose Rodung durch transnationale Unternehmen in vielen Entwicklungsländern gegenüber – etwa 13 Millionen Hektar jährlich. Weltweit waren in 2005 noch 30 Prozent der Landfläche bewaldet. Tendenz: fallend.

    Eine der Hauptursachen für den Klimawandel ist der kontinuierlich steigende CO2-Ausstoß. Das gefährliche Kohlendioxid entsteht bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe. 2004 wurden weltweit 29 Milliarden Tonnen C02 ausgestoßen. Industrienationen und Entwicklungsländer halten sich mit ihren Emissionen insgesamt die Waage. Ein Mensch in Sub-Sahara-Afrika ist jedoch für weniger als ein Zehntel des Ausstoßes eines Durchschnittsbürgers in der entwickelten Welt verantwortlich. Weltweit steigt der CO2-Ausstoß beängstigend. Nahezu alle Regionen erhöhten ihre Emissionen. In Südost-Asien und Nordafrika haben sich die Emissionen zwischen 1990 und 2005 sogar mehr als verdoppelt.

    Das 2015-Ziel besagt: 71 Prozent der Menschen in den Entwicklungsländern sollen bessere Sanitäranlagen nutzen können. 2006 war dies bei 53 Prozent der Fall. Geschätzte 1,6 Milliarden Menschen müssen hinzukommen, um das Ziel zu erreichen. Setzt sich der Trend seit 1990 fort, wird die Vorgabe um fast 600 Millionen Menschen verfehlt.

    Laut UNO-Definition lebt ein Mensch in einem Slum, wenn mindestens eine der folgenden Bedingungen nicht gegeben ist: Angemessene Sanitäreinrichtung, sauberes Trinkwasser, angemessener Wohnstandard und -raum. In den Entwicklungsländern lebte 2005 mehr als ein Drittel der Stadtbevölkerung in Slums. Ein Vergleich mit der Quote von 47 Prozent in 1990 zeigt zwar eine positive Entwicklung, jedoch ist der Fortschritt sehr ungleich auf die verschiedenen Regionen verteilt. Während Südasien (von 64 Prozent in 1990 auf 43 Prozent in 2005) und Nordafrika (von 38 Prozent in 1990 auf 15 Prozent in 2005) einen enormen Sprung nach vorn machten, stagnieren beispielsweise Ozeanien und Westasien bei je rund einem Viertel.

    8. ENTWICKLUNGSZIEL: GLOBALEN PARTNERSCHAFT FÜR ENTWICKLUNG
    Teilziel 16: Weitere Fortschritte bei der Entwicklung eines offenen, regelgestützten, berechenbaren und nicht diskriminierenden Handels- und Finanzsystems. Dies umfasst die Verpflichtung zu verantwortungsbewusster Regierungsführung, zu Entwicklung und zur Senkung der Armut - sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.
    Teilziel 17: Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse der am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries; LDC). Das beinhaltet den Abbau von Handelshemmnissen, Schuldenerleichterung und -erlass, besondere finanzielle Unterstützung der aktiv um Armutsminderung bemühten Länder.
    Teilziel 18: Den besonderen Bedürfnissen der Binnen- und kleinen Insel-Entwicklungsländern Rechnung tragen.
    Teilziel 19: Umfassende Anstrengungen auf nationaler und internationaler Ebene zur Lösung der Schuldenprobleme der Entwicklungsländer.
    Teilziel 20: In Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern Strategien zur Schaffung menschenwürdiger und sinnvoller Arbeitsplätze für junge Menschen erarbeiten und umsetzen.
    Teilziel 21: In Zusammenarbeit mit den Pharmaunternehmen Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln zu erschwinglichen Preisen in Entwicklungsländern gewährleisten.
    Teilziel 22: In Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor dafür sorgen, dass die Vorteile neuer Technologien, insbesondere von Informations- und Kommunikationstechnologien, von Entwicklungsländern genutzt werden können.


    Info: Was ist Entwicklungshilfe: Milde Gabe, Schaffung neuer Absatzmärkte oder Mittel zur Armutsbekämpfung? Ziel 8 überträgt den Industrie- und Entwicklungsländern die gemeinsame Verantwortung für den „global deal" der Armutsbekämpfung.

    Die UN-Sonderbeauftragte Eveline Herfkens beschreibt das achte Entwicklungsziel oft als eine „Agenda der wechselseitigen Verantwortung" von reichen und armen Staaten.

    Die Industrieländer sind dazu verpflichtet, mehr Geld für Entwicklungszusammenarbeit bereit zu stellen und diese effizienter zu gestalten. Es darf nicht bei einzelnen hochglänzenden „Good Will"-Aktionen bleiben. Sie müssen zudem eine gerechtere Handelspolitik betreiben und beispielsweise Agrarprodukten aus Entwicklungsländern nicht mehr den Zugang zu ihren Märkten versperren.

    Die Entwicklungsländer hingegen müssen den Kampf gegen die Korruption aufnehmen, demokratische und emanzipatorische Prozesse fördern und staatliche Budgets für Infrastruktur und Armutsbekämpfung einsetzen.

    Entwicklung: Auf dem G8-Gipfel in Gleneagles im Jahr 2005 beschlossen die reichen Staaten, ihre Hilfe an Afrika bis 2010 zu verdoppeln. Lässt man den Schuldenerlass für Nigeria außen vor, stieg die Hilfe für Sub-Sahara-Afrika zwischen 2005 und 2006 jedoch um gerade einmal zwei Prozent. Insgesamt stagniert die Hilfe für die am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries; LDC). In 2006 betrug sie 0,1 Prozent des Bruttonationaleinkommens der entwickelten Länder. Seit 1990 hat sich in dieser Hinsicht nichts getan. Hinzu kommt: Gemäß des Monterey-Konsens' von 2002 sollten Geberländer Schuldenerlasse nicht mehr auf ihren Entwicklungsetat anrechnen. Dennoch ist diese Praxis bis heute üblich.

    Die Mitglieder der Welthandelsorganisation beschlossen 2001 in Doha, bis Ende 2004 eine Reihe von Handelsvereinbarungen abzuschließen, die die wirtschaftliche Perspektive von Entwicklungsländern deutlich verbessern sollte. Der Beschluss zielte vor allem auf den freien Zugang zu den Märkten in den Industrienationen. Dies ist aufgrund der Blockadehaltung der USA und der EU hinsichtlich ihrer Agrarexportsubventionen bis heute nicht geschehen. Ein wichtiger Indikator ist der Anteil der Güter aus den Entwicklungsländern, die zollfreien Zugang zu den Märkten der reichen Staaten bekommen. Für die Entwicklungsländer insgesamt ist die Quote zwischen 1996 und 2005 von 53 auf 72 Prozent gestiegen. Die am wenigsten entwickelten Länder stagnieren jedoch seit 1996 bei rund 79 Prozent.

    Sowohl Industrie- als auch Entwicklungsländer schaffen es nicht, allen ihren Jugendlichen eine Arbeitsstelle zur Verfügung zu stellen. Weltweit ist die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen zwischen 1996 und 2006 von 74 auf 86 Millionen gestiegen. Das ist fast die Hälfte der 195 Millionen Arbeitslosen auf der Welt. Während die Arbeitslosenquote bei den Erwachsenen weltweit bei 4,4 Prozent liegt, beträgt sie bei den Jugendlichen 13,6 Prozent. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Heranwachsender arbeitslos wird, ist dreimal so hoch wie bei einem Erwachsenen. Am härtesten trifft es dabei Nordafrika und Westasien mit 30 bzw. 23 Prozent arbeitsloser Jugendlicher.

    Im Kommunikationszeitalter gibt der Anteil der Internetnutzer in der Bevölkerung einen Hinweis auf den Entwicklungsstand eines Landes. Ende 2006 nutzten 18 Prozent der Weltbevölkerung das Internet. Die Quote kommt jedoch durch eine höchst ungleiche Verteilung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zustande. Während in den entwickelten Staaten 58 Prozent online gingen, waren es in den Entwicklungsländern insgesamt gerade einmal elf Prozent und in Sub-Sahara-Afrika sogar nur drei Prozent.


    WIE HUMANA FÜR ENTWICKLUNG ARBEITET

    Humana People to People Mitgliedsorganisationen betreiben mehr als 328 Projekte in 42 Ländern. Hier folgt eine kurze Darstellung der Projektarten. Sie können alle mit den Millennium-Entwicklungszielen verknüpft werden.

    AUSBILDUNG VON LEHRERN

    Es besteht ein großer Lehrermangel in den ländlichen Gebieten in den meisten Entwicklungsländern. In den letzten 16 Jahren haben Humana Mitgliedsorganisationen hoch qualifizierte und engagierte Lehrer für Grundschulen in ländlichen Gebieten ausgebildet. In Zusammenarbeit mit den Regierungen von Angola, Indien, Malawi und Mosambik sind 24 Lehrerausbildungsstätten mit mehr als 2.200 Absolventen jährlich etabliert worden. Seit dem Start sind 7.900 Lehrer ausgebildet worden. Die Ausbildung dauert 2,5 Jahre (seit 2009 1 Jahr in Mosambik) und hat acht verschiedene Phasen: 1. Unsere Welt; 2. Unser Land; 3. Praktische Arbeit/ Ausbau der AUsbildungsstätte; 4. Schulpraxis und weitere Studien; 5. Spezialisierung und Vertiefung; 6. Pädagogische Workshops; 7. Examen und Abschluss. Im Portugiesischen werden die Lehrerausbildungsstätten "Die Schulen für die Lehrer der Zukunft" genannt. Dieser Name drückt das Bestreben aus, Ausbildung von solcher Qualität zu geben, dass die Lehrer in der Lage sind, weiter zu lernen und auf die zukünftigen Herausforderungen reagieren zu können, selbst wenn wir nicht wissen, welcher Natur diese Herausforderungen sein werden.
    An der „One World Universität" in Mosambik werden die Dozenten der Lehrerausbildungsstätten ausgebildet. „Fighting with the Poor" ist eine zweite Fakultät der gleichen Universität.

    GEGEN HUNGER & ARMUT

    Farmers' Clubs
    Das Programm Farmers' Clubs organisiert und erweitert die Fähigkeiten von Kleinbauern, durch erhöhte Produktivität, verbesserte Qualität ihrer Erzeugnisse und leichteren Zugang zu Märkten ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Das Programm sorgt für effektivere landwirtschaftliche Techniken und bietet ein Forum an, um die Fähigkeiten und Erfahrungen der beteiligten Bauern zu entwickeln. Das Programm legt Schwerpunkte auf das Bodenmanagement und die Einführung von ökologischen Landwirtschaftsmethoden und, neben besserem Zugang zum Wasser, den Schutz der Umwelt. Die Farmers' Clubs Projekte finden in Angola, China, Guinea Bissau, Malawi, Mosambik und Simbabwe statt. Sie kommen 74.000 Bauern und 370.000 Familien zugute.

    Kinderhilfe /Dorfentwicklung
    Das Kinderhilfe-Programm entwickelt die Kapazität von jeweils 3.000 Familien und ihren Nachbarschaften. Um die Kinder erfolgreich zu ernähren, muss man die ganze Gemeinde stärken. Familien werden zusammengebracht, um sich mit Themen rund um die Entwicklung der Gemeinden zu befassen, wie Gesundheit, Einkommen, Ausbildung, Umweltbewusstsein und bessere Möglichkeiten für die Kinder. Derzeit betreiben Humana Mitgliedsorganisationen 65 Kinderhilfe-Projekte in 15 Ländern in Afrika, Indien, China und Lateinamerika, deren Aktivitäten mehr als 380.000 Familien zugute kommen.

    BILDUNG FÜR KINDER UND JUGENDLICHE

    Berufschulen
    Die Berufschulen bieten jungen Leuten die Möglichkeit, eine theoretische und praktische Ausbildung zu bekommen, die die Sekundarbildung mit der Berufsschulbildung vereint. Sie bietet den Schülern ein solides Fundament für eine weitere Ausbildung oder für das Berufsleben. Landwirtschaft, Bauhandwerk, Handel & Büro, Mechanik, Elektrotechnik und Tourismus sind Fächer, die man wählen kann. Heute betreiben HUMANA Mitgliedsorganisationen 12 Berufschulen, die jährlich mehr als 1.600 Schüler ausbilden.


    Grund- und Sekundarschulen

    Die Schulen für Kinder begannen als ein Teil der Kinderhilfe 1990, und zielten darauf ab, Straßenkindern in einigen der größeren Städte zu helfen. Sowohl in Angola als auch in Mosambik hatten die Kriege viele Kinder zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht. Es ging darum, Straßenkindern, die nicht mehr zur Schuile gingen, eine gute Grundschulbildung zu ermöglichen. Heute betreiben HUMANA Mitgliedsorganisationen 16 Schulen für 10.000 Kinder - teils Straßenkimder, teils andere Kinder in Not.

    Kinderdörfer
    Die Kinderdörfer bieten Erziehung und Berufsbildung für Waisenkinder und ehemalige Straßenkinder. Während ihrer Zeit im Kinderdorf verwandeln sich die Kinder von scheuen, misshandelten und oft traumatisierten Individuen in fröhliche und fähige Menschen voll Potenzial. 3 Kinderdörfer sind in Betrieb in Mosambik, Sambia und Simbabwe, die jährlich 1.225 Kindern zugute kommen. Die Kinderdörfer erreichen ausserdem 10.000 Kinder in den umliegenden Dörfern.

    BEKÄMPFUNG VON HIV & AIDS

    Total Control of the Epidemic (TCE)
    TCE wird in geografischen Gebieten mit je 100.000 Menschen jeweils drei Jahre lang durchgeführt. Es geht um individuelle Beratung und Mobilisierung der Menschen. Sie erhalten die nötigen Fähigkeiten, Kenntnisse und Vertrauen um HIV/AIDS unter Kontrolle zu bringen. Ein wichtiger Bestandteil des Programms sind Rekrutierung, Schulung und Begleitung von 50 lokalen Field Officers in jedem Gebiet. Der Field Officer besucht Leute zuhause, in Schulen und in Büros. Er/sie hält einen offenen Dialog über HIV, sexuelles Verhalten, mobilisiert Leute, sich als Freiwillige zu melden, und assistiert dabei, kleine Unternehmen zu etablieren. In mehreren Ländern werden die Field Officers vom Gesundheitsministerium geschult und geprüft, um Tests und Nach-Tests zu machen und zu beraten. Durch das Engagement jeder einzelnen Person, in Kooperation mit bestehenden Infrastrukturen und der ganzen Gemeinde, findet TCE wichtige Verknüpfungen mit staatlichen Interventionen auf nationaler und lokaler Ebene. Von Anfang an hat sich TCE in Südafrika und auch in Indien und China effektiv bewährt. Insgesamt kommt das Programm mehr als 10 Millionen Menschen zugute. Einige der Geldgeber sind National AIDS Councils, The Global Fund, The World Bank, CDC, USAID/PEPFAR, USDA und Johnson & Johnson.

    HOPE
    Die HOPE Projekte unterstützen Menschen mit HIV. Vom HOPE-Center aus werden viele verschiedene Aktivitäten durchgeführt, wie VCT, Clubs für positives Leben, Unterricht in Häuslicher Pflege, Ernährung, etc. - alles nötig im Kampf gegen HIV/AIDS und um die Folgen der AIDS-Epidemie zu schultern.

    UMWELTSCHUTZ

    Umweltschutz durch Sammlung und Verkauf von Second-Hand-Kleidung
    Während der letzten 30 Jahre haben HUMANA Mitgliedsorganisationen in Europa, USA und Kanada ein großes einkommenschaffendes System entwickelt: Sammlung und Verkauf von Second-Hand-Kleidern. Durch Kleiderspenden haben Millionen von Menschen die Möglichkeit, einen Beitrag zur Entwicklung zu leisten. Durch dieses Geschäftsmodell verwandelt Humana einen Nullwert in einen beträchtlichen Wert. Die Kleidung wieder zu verwenden, statt sie weg zu werfen, schützt die Umwelt, und Verkaufserlöse, z.B. in Mosambik, werden für die Unterstützung von Entwicklungsprojekten vor Ort genutzt. Auf diese Weise wird Einkommen für die vielen sozialen Programme generiert; es werden auch Arbeitsplätze geschaffen und das Wirtschaftswachstum wird stimuliert.