Rede zum Thema 'Women in Action'


"Frauen tragen die Hauptlast der Armut in den Entwicklungsländern. Sie ergreifen aber auch oft die Initiative und starten Maßnahmen gegen die Armut. Als Kleinbäuerinnen, Mütter, Geschäftsfrauen und Lehrerinnen setzen sie sich ein für ihre Familien, ihre Dorfgemein- schaften und darüber hinaus.

Oft sind sie dafür nicht ausreichend ausgebildet. Sie müssen ihre Fähigkeiten erweitern und sich organisieren, um die anstehenden Probleme lösen zu können. Dafür brauchen sie unsere Unterstützung.

In den HUMANA People to People Projekten weltweit ist die Unterstützung der Frauen ein zentrales Thema, an dem permanent gearbeitet wird. Aus den Projekten heraus verbreitet sich das Thema in die umliegenden Dörfer oder Stadtteile.

Wo immer Frauen gefördert werden, wirkt sich dies positiv aus auf ihre Familien, ihre Dorfge- meinschaften und die zukünftigen Generationen.
Wenn Frauen länger zur Schule gehen, bekommen sie weniger Kinder und die Lebenserwar- tung ihrer Kinder steigt. Wenn Frauen lernen, ein Einkommen zu erwirtschaften, setzen sie es ein zum Wohl der ganzen Familie.

An HUMANA People to People Projekten weltweit erhalten alle, Mädchen wie Jungen, Frauen wie Männer, das Rüstzeug für den Kampf gegen die Armut: neues Wissen und zusätzliche Fähigkeiten, ein erweitertes Selbstvertrauen und einen frisch gestärkten Teamgeist.
Unser Motto könnte deshalb auch heissen:
Frauen und Männer - gemeinsam für Entwicklung!

HUMANA People to People engagiert sich tagtäglich für bessere Bedingungen und Chancen für Frauen und für ein gleichberechtigtes Miteinander von Männern und Frauen.

Hier nur einige Beispiele:

* BILDUNG:
HUMANA bildet immer mehr weibliche Lehrkräfte aus, sorgt für Toiletten in den Dorfschulen und fördert Aufklärung in den Schulen. Die HUMANA Berufsschulen nehmen verstärkt junge Frauen in ihre Programme auf.

* GESUNDHEIT:
HUMANA Projekte verbinden Mütter und Gesundheitsstationen und verbreiten Wissen über Familienplanung.
Im Anti-AIDS Programm wurden 7 Millionen Teilnehmer zum Handeln mobilisiert - 60% von ihnen sind weiblich.

* BROT UND EINKOMMEN:
Die meisten Teilnehmer der Farmers' Clubs sind Frauen. Sie erwerben Wissen und Fähig- keiten, die sie in die Lage versetzen, genug Nahrung und ein zusätzliches Einkommen für sich und ihre Familien zu erwirtschaften.

* DORFENTWICKLUNG:
In den 65 Kinderhilfsprojekten von HUMANA engagieren sich 360.000 aktive Familien. Sie stärken Frauen - und damit die ganze Dorfgemeinschaft - hinsichtlich Gesundheit, Einkom- men, Bildung, Umwelt und Teilhabe der Kinder.

* KLEIDERPROJEKTE:
In Europa und den USA sammeln HUMANA Organisationen Second Hand Kleidung und sorgen für Sortierung und Verkauf. Die meisten der 2.400 Beschäftigten sind Frauen; sie arbeiten auf allen Ebenen der Organisationsstruktur.

Eines dieser Beispiele möchte ich vertiefen, und zwar das Beispiel aus dem Bereich der Bildung. Ich habe eben gesagt: "HUMANA bildet immer mehr weibliche Lehrkräfte aus".

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Schüler mehr lernen, wenn unter den Lehrkräften viele Frauen sind. (UNESCO, April 2012)

Weltweit ist die Mehrzahl aller Lehrkräfte weiblich, in Europa und den USA sind mehr als 80% der Lehrkräfte in den Grundschulen weiblich.
Südlich der Sahara, vor allem auf dem Land, ist es jedoch umgekehrt: die Mehrzahl der Lehr- kräfte an den Grundschulen ist männlich.
Die Region hat den niedrigsten Prozentsatz an weiblichen Lehrkräften weltweit. In Angola, Malawi, Simbabwe und Mosambik sind in den ländlichen Gebieten mehr als zwei Drittel der Lehrkräfte männlich. Dorfschulen, an denen nur Männer unterrichten, sind keine Seltenheit.

Dies möchten wir ändern. Wir möchten Schulen, an denen genügend Frauen unterrichten, so dass die Mädchen Vorbilder haben, Vorbilder von Frauen mit Wissen, Vorbilder von berufstäti- gen Frauen, und Vorbilder von Frauen, die gleichberechtigt mit ihren männlichen Kollegen umgehen.
Wir möchten Schulen, an denen sich die Mädchen gut aufgehoben fühlen, damit sie nicht die Schule vorzeitig abbrechen, früher als ihre Brüder, sondern weiter zur Schule gehen und gute Abschlüsse machen.

Im allgemeinen sind also in den Ländern in Afrika, in denen wir tätig sind, die Lehrkräfte auf dem Land zu weniger als einem Drittel weiblich.
Die HUMANA Lehrerausbildungsstätten - die ja gezielt für die ländlichen Gebiete ausbilden - arbeiten energisch daran, die Frauenquote auf 50% zu steigern. Ein Problem dabei ist, dass es kaum Frauen gibt, die Abitur haben, was die Zugangsvoraussetzung für die Lehrerausbil- dung ist. Hier beisst sich also die Katze in den Schwanz, könnte man sagen. Da muss ein Teufelskreis durchbrochen werden.

Dies gelingt immer besser:
In Angola haben 4 von den HUMANA Lehrerausbildungsstätten die 50% Marke schon im Jahr 2010 erreicht. An allen 12 Lehrerausbildungs- stätten waren 2010 in den Vorbereitungskursen für die nächsten Teams die Hälfte bis zwei Drittel der Teilnehmer Frauen.
In Malawi hat im Juni 2011 ein Team von zukünftigen Lehrern ange- fangen, das zu 63% aus Frauen besteht.
Bisher haben HUMANA-Organisationen 18.500 Lehrkräfte ausgebildet. Sie haben bisher das Leben von 1,5 Millionen Schülern geprägt.
Es werden also beträchtliche Fortschritte erzielt, auf die wir ruhig stolz sein können.
Gut zu wissen ist auch, dass wir mit unseren Bemühungen nicht alleine dastehen. Auch die staatlichen Lehrerausbildungsstätten bemühen sich um mehr weibliche Lehrkräfte und schlagen in dieser Hinsicht Rekorde.

Zum Abschluss ein Zitat von Henning Mankell. Er ist Bestseller-Autor, er schreibt Krimis. Er schreibt aber auch Bücher über Afrika, er lebt selbst die Hälfte des Jahres in Afrika.
Das Zitat stammt aus dem Buch "Das Auge des Leoparden", das er 1990 geschrieben hat. "Entscheidend für die Zukunft Afrikas wird sein, was mit Afrikas Frauen geschieht. ... Während die Männer in den Dörfern im Schatten der Bäume sitzen, arbeiten die Frauen auf dem Feld, gebären die Kinder, tragen fünfzig Kilo schwere Säck mit Mais meilenweit auf ihren Köpfen. ... Die afrikanischen Frauen tragen den Kontinent auf ihren Köpfen. Man glaubt, ein Bild von Stärke und Selbstbewusstsein vor sich zu haben, wenn man eine Frau mit einer solchen Last auf dem Kopf sieht, aber niemand bedenkt die Rückenschmerzen, die eine Folge dieser Lasten sind. ... Afrika ist eine Frau, die Mais zerstößt. Von diesem Punkt müssen alle Überlegungen über die Zukunft des Kontinent ausgehen."

Zuletzt möchten wir Euch ganz herzlich danken.
Wir sind sehr froh über Eure Unterstützung und Euer Interesse. Euer Engagement wissen wir sehr zu schätzen, und wir hoffen auf noch viele gute gemeinsame Jahre!"

Mehr zur Kampagne 'Women in Action' finden Sie hier:   www.humanaday2012.posterous.com