Sabine Zoufahl: "Meine Zeit in Mosambik"

Nach 6 Monaten Vorbereitung in Dänemark war Sabine ein halbes Jahr lang bei HOPE Maputo. Hier ihr im November 2005 geschriebener Rückblick auf diese Zeit.

Mein Name ist Sabine, ich komme aus Berlin und habe die letzten sechs Monate in Mosambik verbracht. Ich war dort als DI (Development Instructor) bei HOPE Maputo. HOPE ist ein Projekt, das gegen HIV und AIDS kämpft. Dieses Ziel wird realisiert, indem man sich um Menschen mit HIV kümmert, ein positives Lebensgefühl vermittelt, Aufklärung der Menschen über HIV betreibt und sie mobilisiert, sich auf AIDS testen zu lassen. Alles in Allem also, die Menschen wachsam gegen HIV und AIDS zu machen.

Es war eine große Chance für mich, nach Mosambik und aus Europa heraus zu kommen. Das Leben dort unterscheidet sich sehr von dem, welches ich bisher geführt hatte. Ich habe die Zeit dort sehr genossen. Sicher, sie war hart, speziell am Anfang (sich an die fremde Kultur zu gewöhnen, die mosambikanische Arbeitsweise, eine neue Sprache zu lernen, etc.). Es war schwer, sich auf den afrikanischen way of life einzustellen, aber ich möchte keinen einzigen Tag missen, den ich dort verbracht habe.

Ich arbeitete meistens in zwei von den drei Centern, die HOPE Maputo im Moment betreibt. Neben der normalen Centerarbeit mobilisierte ich Menschen, sich auf HIV testen zu lassen, hielt Vorträge in Krankenhäusern (für Schwangere, über die Ansteckungsgefahr zwischen Mutter und Kind), assistierte beim Training von Aktivistengruppen in Schulen und förderte die Zusammenarbeit bei verschiedensten Gelegenheiten. Dies waren meine Hauptaufgaben.

Ein normaler Arbeitstag sah z.B. so aus: Ich stand um sechs Uhr morgens auf, verließ das Haus um sieben und nahm einen Chapa (einen lokalen Minibus) um zur Arbeit zu kommen. Die Fahrt dauerte zwischen 40 Minuten und ein und einer halben Stunde, dichtgedrängt stehend mit 30 anderen in einem kleinen Bus. Das machte sehr viel Spaß, auch wenn es schwer zu verstehen ist. Dann erreichte ich das Center, wo ich mit dem Leiter und den anderen Freiwilligen über das redete, was diesen Tag zu erledigen war. Anschließend verließ ich das Center, um die Leute zu mobilisieren, sich testen zu lassen, oder ich gab Schwangeren Unterricht. Das dauerte meist den ganzen Morgen.

Danach kehrte ich in das Center zurück, nicht ohne einen Zwischenstop auf dem Markt zu machen, um Lebensmittel für das Mittagessen zu kaufen. Im Center war ein Treffen mit Aktivisten von einer Schule aus der Umgebung. Ich klärte sie und Leute, die das Center besuchten, über HIV und AIDS auf und erläuterte Videos wie z.B. "Beziehungen zwischen Jugendlichen" sowie andere Titel. Dann half ich dem Leiter bei der Erstellung seiner Statistiken und bereitete Aktionen und Spiele für den kommenden freien Samstag vor.

Ich verließ das Center um 16:30, um nach Hause zu fahren, was wieder etwa eine Stunde dauerte. Vorbei an dem Markt in Boane, der Stadt, in der ich lebte. Zuhause angekommen kochte ich mit anderen DIs und wir sprachen über unsere Erfahrungen an diesem Tag. Manchmal saßen wir draußen mit unseren Nachbarn und lernten Englisch, bzw. versuchten Shangaan (die lokale Sprache) zu lernen. Manchmal unterhielten wir uns auch nur mit unseren Betreuern. Dann nahm ich eine kalte Dusche und ging ins Bett. Am nächsten Tag ging es dann in ein anderes Center, mit anderen Aufgaben und anderen Herausforderungen.

Ich denke, das DI Haus, in dem ich lebte, war im Vergleich zu anderen hübsch und phantasievoll eingerichtet. Wir hatten fließendes Wasser und elektrischen Strom, wenn nicht einer der Nachbarn unser Wasser "stahl" oder die Elektrizität zusammenbrach. Die Stadt, in der ich lebte, hieß Boane, sie ist etwa eine Stunde von Maputo, der Hauptstadt von Mozambique, entfernt. In Boane gab es einen großen Markt, wo ich alles kaufen konnte, was ich brauchte. Überall sehr freundliche Menschen und eine schöne Umgebung. Ich hätte nirgendwo anders leben wollen als in Boane.

Zu meiner Projektleiterin hatte ich eine gute Beziehung. Sie war selbst DI gewesen und ließ uns Neue unsere Arbeit machen, ohne sich zu sehr einzumischen. Wenn ich Hilfe brauchte, konnte ich mich jedoch jederzeit an sie oder an die anderen Mitarbeiter des Projektes wenden. Ich mochte das Team, mit dem ich arbeitete. Es waren alles hochmotivierte Leute, die versuchten, ihr Bestes zu geben.

Auch neben der Arbeit genoss ich das halbe Jahr. Mosambikanische Menschen zu treffen war so schön, und ich vermisse jeden, den ich während meines Aufenthaltes kennengelernt habe.
Ich schloss Freundschaften mit Menschen, ich lernte von ihnen, wie sie auch von mir. Es war schwer für mich, ihnen auf Wiedersehen zu sagen, denn ich weiß nicht, ob ich sie jemals wiedersehen werde.

Es ist unglaublich, dass Mosambikaner, obwohl sie arm sind und nur wenig haben, so viel lachen. Im Vergleich mit z.B. Deutschen haben die Mosambikaner eine so viel bessere Haltung zum Leben, sie wissen, dass sie ihr Leben lang kämpfen müssen, aber sie haben einen wunderbaren Lebensmut. Ich wünschte, dass auch die Menschen aus der westlichen Welt die Qualitäten der Afrikaner hätten.

Es war eine intensive Zeit, mit Höhen und Tiefen. Ich denke oft darüber nach, wieviel mehr ich von den Erfahrungen in Mozambique profitiere, als ich zurückgeben konnte.
In den sechs Monaten lernte ich so viele Sachen und machte so viele Erfahrungen. Jetzt bin ich wieder zurück in Europa, aber ich weiß, dass ich mich immer an mein Leben in Mosambik erinnern werde.

Sabine, November 2005