Sharing is caring

Anne Sophie ist aus Hamburg und 19 Jahre alt. Sie arbeitet derzeit an einem HUMANA People to People Projekt in Sambia und schreibt uns Folgendes:

"Ein Erlebnis in Sambia wird mir immer in besonderer Erinnerung bleiben. Es beginnt auf einer 8km langen staubigen Straße, die ich hinter mich bringen muss, um zurück in das Dorf zu kommen in dem ich wohne. Langsam werde ich müde vom vielen Laufen. Ich habe schon die halbe Strecke hinter mir und will eigentlich nur noch ankommen. Doch das ist in Sambia gar nicht so einfach: Egal wo ich hingehe, alle Menschen grüßen mich, Kinder fragen wie es mir geht und alle sind daran interessiert mich kennenzulernen.
Während ich also versuche den langen Weg so gut es geht zu meistern, grüßt mich ein junges Pärchen mit ihrer kleinen Tochter. Ich grüße zurück, will aber eigentlich nur schnell weiter und versuche die drei zu überholen. Doch leider sind die anderen genau so schnell wie ich, so dass wir automatisch zusammen gehen. Also spreche ich sie an und wir unterhalten uns tatsächlich eine ganze Stunde lang bis ich wieder zu Hause ankomme. Bis dahin lernte ich eine Menge: da ich die lokale Sprache Bemba nicht beherrsche geben die beiden mir eine kleine Unterrichtsstunde. Wir hatten viel Spaß zusammen und am Ende kann ich sogar einige einfache Fragen in Bemba formulieren.
In gebrochenem Englisch erklärten sie mir, dass sie 19 und 23 Jahre alt sind und ihre Tochter Ruth vor zwei Jahren geboren wurde. Sie erzählen, dass sie weit weg in einem kleinen Dorf leben und dass der Vater der kleinen Familie momentan Schwierigkeiten hat einen Job zu finden. Trotzdem wirkten sie glücklich und zufrieden auf mich und wir haben viel zusammen gelacht.
Zu dieser Zeit gibt es in Sambia unendlich viele reife Mangos an den Bäumen. Egal wohin man blickt überall nur Mangos, Mangos, Mangos. Einige Frauen aus den Dörfern verkaufen diese Mangos am Straßenrand.
Irgendwann haben wir auf unserem Weg an einem der Mangostände angehalten. Die Frau fragt nach dem Preis für die Mangos, will dann aber doch keine kaufen, wahrscheinlich sind sie zu teuer. Der Mann sage irgendetwas zu der Frau in Bemba und sie kauft doch einige Mangos. Dann kommt die Frau zu mir, gibt mir einige Mangos und sagt sie seien für mich! Ich freue mich unglaublich, ich habe erwartet, dass sie für sie selbst sind. Doch stattdessen haben sie auch einige Mangos für mich gekauft, dabei bin ich für sie eigentlich eine Fremde gewesen. Sie sind junge Eltern mit einem sehr geringen Einkommen, die Probleme haben Geld zu finden. Ich habe gesehen wie schwer es ihnen fiel das Geld für diese Mangos auszugeben und trotzdem haben sie mit mir geteilt.
Von diesem Erlebnis habe ich viel gelernt. Ich bin immer noch tief beeindruckt von ihrer Bereitschaft abzugeben und zu teilen.
“Sharing is caring” - zu teilen bedeutet sich umeinander zu kümmern: Genau das wird hier gelebt. Egal wie wenig oder viel wir haben, wir können immer davon abgeben. Oft wird mir hier angeboten Essen zu teilen und es wird immer dafür gesorgt, dass ich mich wohl fühle. Selbst wenn es nur unsere Zeit ist die wir anderen schenken, wenn wir uns Zeit nehmen uns mit anderen zu unterhalten und voneinander zu lernen, zum Beispiel unsere jeweiligen Sprachen.
Wenn ich bald wieder zurück nach Deutschland gehe, werde ich viel von den Menschen hier mitgenommen haben: Die Offenheit für Gespräche, die Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Hier ist man füreinander da und unterstützt einander. Oftmals denken wir vielleicht wir hätten selbst so wenig, dass wir nichts abgeben können, doch dann können wir uns an dieses Pärchen erinnern, das sogar dann noch teilt, wenn es fast nichts zu teilen gibt.